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“Oh wie niedlich: Zwillinge! Na, da haben Sie aber viel zu tun, was?” höre ich in etwa 20x am Tag. Und ähhhhm ja, was soll man darauf antworten? “Neeeee, überhaupt nicht viel – meine Kinder sind wahnsinnig pflegeleicht und ich renne den ganzen Tag nur mit einem Dauergrinsen hinter ihnen her!” Oder lieber “Hach jaaaaa, ich hab es wirklich wahnsinnig schwer. Mein ganzer Tag besteht nur noch aus Wickeln, Brei anrühren und Babys bespaßen, ich arme, arme Zwillingsmama….” Hmmm… die Realität liegt wohl irgendwo dazwischen, aber hey: ich hab es mir doch so ausgesucht! Auch wenn natürlich nicht zwei auf einen Streich geplant waren (eins hätte es für den Anfang auch getan ;-)). Aber ich kenne es nunmal nicht, nur EIN Kind zu haben und ich muss sagen: das Zwillingsleben hat auch viele Vorteile. Klar ist man als Mama super stolz, wenn sich Grüppchen um den Kinderwagen bilden und die Jungs für entzückte Gesichter sorgen, aber warum muss dann immer so eine Floskel folgen?

Mama versus Kreativ-Job

Zumal ich dank dieser Frage schon häufiger ins Grübeln gekommen bin und meinen Alltag als arbeitende Kreative mit meinem momentanen Fulltime-Mama Job verglichen habe. Hier mal ein kleiner Einblick: vor einem Jahr bin ich noch gegen 8 Uhr aufgestanden, habe mich in aller Ruhe fertig gemacht und bin etwa 15 Minuten durch den wunderschönen Planten und Blomen Park zur Arbeit gelaufen, um mich dann dort erstmal an einem riesigen und (dank Carlos dem besten Hausmeister der Welt) hammer leckeren Frühstücksbuffet bedienen zu können, bevor ich mich gegen 9 Uhr an meinen Schreibtisch setzte und mit den Kollegen einen kleinen Plausch hielt. Momentan beginnt mein Tag eher gegen 6 oder mit Glück auch mal um 7 Uhr. Und auch definitiv nicht so gechillt wie zuvor. Was absolut okay ist, wenn man in die strahlenden Gesichter der zwei zuckersüßen Grammy Twins schaut, die einem zu jeder Uhrzeit gute Laune bringen. Nicht, dass ich – wie früher – direkt unter die Dusche wandern könnte, um danach nach dem geeigneten Outfit im Kleiderschrank zu suchen – als Mama schmeisst man sich erstmal in die ausgelabberte Jogginghose und den Pulli von vorgestern, um zuallererst die Jungs zu versorgen, Pampers zu wechseln und die beiden in Schale zu werfen. Erst wenn die Zwillinge gepudert und gestriegelt, mit vollem Magen und leerer Buchse auf ihrer Krabbeldecke liegen, darf Mama mal für ihr Wohlbefinden sorgen. Heißt soviel wie: ruckzuck unter die Dusche springen, halb Nackedei wieder zu den Jungs rennen, um zu gucken, ob alles in Ordnung ist, dann die Zahnbürste durchs Gebiss ziehen und gleichzeitig die Haare föhnen. Auf der Treppe noch das T-Shirt überwerfen und bei den Jungs wieder angekommen, mit Handspiegel und Co für ein wenig Anstrich im Gesicht sorgen bzw. vor allem die Augenringe hinter einer dicken Schicht Concealer verstecken. Wenn wir dann mit allem durch sind, kommen wir ungefähr auf die Uhrzeit, in der ich mich früher bequemt habe aufzustehen. WERKTAGS natürlich. Im Agenturleben, hätte ich gegen 10 Uhr wohl das erste Briefing, Meeting oder Brainstorming mit Kollegen. Locker, lustig mit einer köstlichen Tasse Kaffee in der Hand und selbstredend immer mit Humor und ‘nem Schnack ausgestattet – klar, gibt es auch Tage, an denen man sich über Kunden ärgert, den Task doof fndet oder einfach die Motivation zuhause vergessen hat, aber davon gehen wir in diesem Beispiel mal nicht aus. Im Mama-Alltag findet um 10 Uhr die zweite Raubtierfütterung statt, während im Hintergrund schon Waschmaschine & Trockner laufen und die Pampers-Ration wieder um 2 Windeln schmaler geworden ist. Ich könnte diese Vergleiche den ganzen Tag über so weiterführen, aber es käme immer aufs Gleiche hinaus: zu tun hat man in beiden Leben ordentlich. Aber eben auf ganz andere Art und Weise. Denn auch wenn man in der Werbebranche lange Arbeitstage hat und auch mal bis Mitternacht in der Agentur hockt, geht es doch recht gechillt und spaßig zu und man ist mit allen Kollegen per DU. Zudem bekommt man jede Menge geboten: vom eigenen Bierchen am Freitag Abend (Troy-Bräu), vielen Veranstaltungen und Weiterbildungsmöglichkeiten, kostenloser Verpflegung mit Frühstück, Obst und Smoothies, sowie Abendessen (ab 20 Uhr kann jeder kostenlos bestellen). Das macht lange Arbeitstage natürlich angenehmer.

Elternzeit – die 180° Wendung 

Während ich mich als Kreative vorher eher geistig betätigte und Ideenfeuerwerke stattfinden ließ, ist heute körperliche Fitness gefragt (beim Herumtollen, Spazierengehen und 10Kilo Kinder heben) – und knallen tut‘s höchstens in den Hosen meiner Jungs. Dafür versetze ich mich nun nicht mehr in unterschiedliche Zielgruppen oder denke mir Werbespots und Virals aus, sondern kann mich täglich über das beste Kino überhaupt erfreuen: meine Jungs und die Präsentation ihrer wahnsinnigen Fortschritte. Hammer Programm, kann ich euch sagen! Ich lüge also keineswegs, wenn ich sage, dass ich die Elternzeit und meine neue Rolle als Mama in vollen Zügen genieße und versuche jeden Tag so schön wie möglich zu gestalten. Aber ich muss natürlich auch zugeben, dass viele Tage recht anstrengend und eintönig sind und man am Abend froh ist, sich mal wieder normal zu unterhalten, statt im Babyslang zu quatschen. Man schafft es ja leider auch nicht jeden Tag, sich mit anderen Muttis oder Freunden, die arbeitstechnisch freier aufgestellt sind zu verabreden – zumal das die Kinder auch nicht immer mitmachen.

Warum ich diese Vergleiche überhaupt mache? Naja, wahrscheinlich, weil  ich schon immer ein Spaßarbeiter war. Soll heißen: ich mag das, was ich beruflich tue und ich kann mir nicht vorstellen, länger als 1,5 Jahre darauf zu verzichten.  Wenn ich mich nicht noch nebenbei hier auf dem Blog textlich austoben oder für den einen oder anderen Freund und Bekannten mal Ideen-Pingpong spielen würde, wäre ich sicherlich kaum noch ansprechbar und würde eingehen. Nicht das ich mich langweile – die Jungs halten mich schließlich auf Trab und bringen derben Spaß – aber manchmal vermisse ich eben die Kollegen, den Smalltalk, das Agenturleben und eben auch meine Arbeit. Trotzdem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, die Jungs schon mit einem Jahr in eine Krippe zu geben. Die sind doch noch soooooo klein und hilflos! Deswegen kam es ganz gelegen, dass man seine Kinder hier in Schenefeld eh nur einmal im Jahr anmelden kann und das zur Zeit der Einschulung. Somit stand fest: Janna ist 1,5 Jahre raus. Eine lange Zeit, die komischerweise extrem schnell vergeht – obwohl manchmal Sehnsucht besteht.

JOb und Mama sein – geht das denn?

Wie die Welt in einem Jahr ausschaut, wenn ich wieder zurück in die Agentur gehe und meine kleinen Pupser in der Krippe abhängen? Das habe ich mir auch schon häufiger ausgemalt. Fakt ist wohl, dass ich nur mit geringer Stundenzahl zurück kann und durch meine zeitliche Einschränkung sicher den einen oder anderen Minuspunkt habe bzw. mich nicht gerade bei den Kollegen beliebter mache. Aber da stehe ich natürlich drüber. Meine Kinder haben nun Prio 1 und wer das nicht versteht, dem erkläre ich das gerne ganz ausführlich, was es bedeutet Zwillingsmama zu sein. Und mal abwarten, erstens werden die Jungs rasant groß und selbstständiger, so dass ich die Arbeitszeit mit Beginn des Kindergartens aufstocken kann und zweitens überlegen wir, dank der recht flexiblen Gleitzeit meines Lieblingsmannes, ob er zwei Tage die Mamarolle übernimmt und die Jungs aus der Krippe abholt. Wie auch immer: es wird eine Lösung geben. Und natürlich versuche ich mich auch fachlich auf dem Laufenden zu halten, damit ich in einem Jahr noch mithalten kann. Programme, Themen und Schwerpunkte verändern sich eben rasant in einer Digital-Agentur. Worüber ich dennoch abkotze, ist die Tatsache, dass die Kita-Gebühren hier in Schleswig-Holstein schweine teuer sind und wir nicht wie in Hamburg die ersten 5 Stunden umsonst erhalten. Ich gehe also demnächst mehr oder weniger dafür arbeiten, dass meine Kinder versorgt sind. Das ist doch echt nicht fair oder? Wir latschen nach 5 Minuten Gehweg über die hamburgische Grenze und diese Distanz bedeutet 750 Euro mehr pro Monat, die wir für die Krippengebühren der Doppelherzchen aufbringen müssen. Das ist doch unfuc*** fassbar. Hätte ich darüber bei der Auslese unseres Eigenheims nachgedacht, hätte ich wohl doch noch zwei Mal mehr überlegt. Sowas macht mich als Mama richtig wütend. Klar, nächste Woche ist Wahl und einige Parteien bzw. eine gewisse Küstenkoalition wirbt damit, sich für gebührenfreie Bildung und sinkende Krippen-Gebühren einzusetzen, aber wie konnte es überhaupt erst zu einer solchen Ungerechtigkeit kommen und was nützen mir die Kreuzchen, wenn ich nächstes Jahr dennoch tief in den Geldbeutel greifen muss? Dass ich trotzdem arbeiten gehen werde, ist für mich gar keine Frage. Aber ich kann auch die Mütter verstehen, die sich länger Elternzeit nehmen, weil es sich für sie nicht lohnt im Job wieder einzusteigen und zudem den Stress zu haben, die Kids pünktlich aus der Kita abzuholen. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt und welche Lösung ihr gewählt habt.

In diesem Sinne, auf eine arbeitsreiche Mama-Woche

Janna und ihre Doppelherzchen [bs_icon name=”glyphicon glyphicon-heart”] [bs_icon name=”glyphicon glyphicon-heart”]

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