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Wenn ich manchmal mit vollgekotzter Klamotte, fetten Augenringen und auslaufenden Brüsten vor dem Spiegel stehe, muss ich mir immer wieder laut sagen “Doch, doch Janna: Mamasein ist das schönste auf der Welt. Doch, doch…!” Und wenn ich das lange genug tue, glaube ich es am Ende wieder. So hat es meine Mama auch immer gehandhabt, wenn‘s ums Essen ging: “Doch, doch Janna: Erbsensuppe ist wirklich lecker! Doch, doch… das magst du wohl!”
Und klar: Mutter zu sein ist wunderbar! Wirklich. Ich werde schließlich täglich mit vielen entzückenden Lächlern von meinen Boys belohnt! … Aber eben auch mit 18 vollgestrullten und vollgeschissenen Windeln, zahlreichen Kotzern und hin und wieder auch mit Gebrüll (obwohl ich mich da echt nicht beschweren darf, wenn ich die Storys von anderen Müttern so höre). Ja, ich habe mir das selbst ausgesucht (naja, 2 auf einen Streich waren natürlich nicht geplant ;-)) und ja, ich finde meine neue Rolle eigentlich auch super geil – nur eben nicht IMMER. Nicht 24 Stunden, rund um die Uhr.

Besuch bei Jung von MattZum Beispiel dann nicht, wenn ich mir nachts um halb 3, mit schmatzendem Kind am Busen, die Socialmedia-Posts von zahlreichen Freunden ohne Kind anschaue, die unter ‘ner Palme in Timbuktu liegen und ‘nen Cocktail schlürfen. Oder dann nicht, wenn ich EIGENTLICH zu ‘ner coolen Geburtstagsfete eingeladen bin und stattdessen um halb 9 auf dem Sofa einpenne und das Kissen mit Sabberfäden verziere – natürlich nur ne halbe Stunde, bis die Jungs sich wieder melden. Großartig ist es auch, wenn man gerade ein leckeres Abendbrot gezaubert hat und mit dem Liebsten am Tisch sitzt, um dann erstmal die Kleinen zu beruhigen, bis das Essen wieder kalt ist. Ja, selbst die Arbeit vermisse ich… oder sagen wir: das, was Arbeit so mit sich bringt: die Kollegen, das Mittagsdate und eben auch so manche witzige Ideenrunde mit Bierchen und Pizza am Abend.

Wenn sich das Leben um 180° dreht

Und warum kommen diese Gedanken auf? Warum bin ich so oft verunsichert und kann mich manchmal nicht zu 100% über das tollste freuen, was ich jemals zustande bekommen habe?! Naja Titten auf den Tisch: weil es einfach komplett was Neues ist! Ich, die im Kopf selbst noch ein Kind ist und gerade mal so das eigene Leben auf die Reihe bekommt, muss nun die volle Verantwortung für zwei kleine, hilflose Würmer übernehmen. Ich, die ich eine Partygängerin vom feinsten gewesen bin und auch gerne mal einen über den Durst getrunken habe, sitze nun in meinem eigenen Häuschen (naja, eigentlich gehört es der Bank, aber wir sind dann mal nicht so ;-)) und hüte den lieben langen Tag meine zwei kleinen Goldschätze. Statt in der Agentur für Stimmung zu sorgen und meine Kollegen vollzulabern (an meine Jungs in der Agentur: “freut euch nicht zu früh: ich komme wieder ;-)”!), singe ich nun den ganzen Tag Kinderlieder und führe quasi Selbstgespräche bzw. eine ziemliche einseitige Unterhaltung – wenn man von “uhhhh” und “ähhhh” als Antwort absieht. Und hey: es ist mega geil, aber manchmal doch auch ganz schön anstrengend.

Das ist es eben: es hat alles seine zwei Seiten. Mir ist noch nie so bewusst wie jetzt geworden, dass ich wohl nie mehr so richtig alleine sein werde. Also wirklich mal ‘nen ganzen Tag allein vor dem TV chillen oder bis zum Morgengrauen besoffen über den Kiez rennen – das wird es wohl so schnell nicht mehr geben. Klar, ich bin jetzt erwachsen und so und man braucht sowas auch gar nicht mehr… aber wenn ich mal kurz darüber nachdenke: naja so ein ganz, ganz kleines bisschen, hätte ich ja schon noch mal Bock… Zu blöde, dass man Oma und Opa nicht ums Eck hat. Einfach mal abgeben und was alleine unternehmen ist leider nicht drin. Da muss man vorher erstmal 1,5 Stunden Fahrt in Kauf nehmen oder aber bis zu meinen Eltern ganze 3 Stunden einplanen. Versteht mich nicht falsch: ich gehöre garantiert nicht zu diesen “regrettingmotherhood” Frauen, die ihre Mutterschaft bereuen und ihr altes Leben zurück haben wollen. Aber ich gebe schon zu, dass es viele Situationen gibt, in denen man denkt “hach, das war aber schön – und alles so viel einfacher…”!

Zwillinge – doppelt schoen und doppelt anstrengend

Man darf ja nunmal auch nicht vergessen: mit Zwillingen hat man eben alles x2! Die Freuden aber eben auch die Arbeit, die Babies nunmal so mit sich bringen. Während man sich als Einlingsmama sein Kind lässig um den Bauch binden und loslatschen kann, schiebe ich ein riesiges Wohnmobil umher. Wenn ich die Kids fertig gefüttert und angezogen habe, ist die Chance, dass sich einer einscheißt oder einkotzt eben einfach doppelt so hoch. Und die Tatsache, dass ich zartes Persönchen keine 2 Maxicosis mit einem 5 und einem 6 Kilo Kind tragen kann, macht das Ganze auch nicht einfacher. Mal eben irgendwohin fahren, wird da schon zum echten Spektakel.

Aber hey: ich mach’s einfach trotzdem. Nichts geht über “sich einfach trauen und ausprobieren”! Bahn fahren mit Zwillingswagen – gar kein Problem. Mein letzter Ausflug scheiterte nicht an der Bahnfahrt mit Kinderwagen oder etwa an schreienden Boys, sondern schlichtweg an mir. Denn was tun, wenn man in der City steht und mal Pipi machen muss?! Den Kinderwagen bei der Putzfrau stehen lassen und sagen “Bitte einmal drauf gucken, ich muss mal!”!? Nope, nicht mit mir. Ich werde beim nächsten Mal einfach nicht mehr so viel Kaffee trinken oder noch besser: mich mit jemandem treffen.

Auch den festen Willen einen Yoga mit Baby Kurs zu machen, scheiterte an der Logistik: nen Parkplatz in der Neustadt finden, ohne ein Vermögen zahlen zu müssen und dann am besten noch so nah am Yoga Raum, dass klein Janna 2 Maxi Cosis geschleppt bekommt – etwas unwahrscheinlich… Doch auch in diesem Fall hab ich mir überlegt: “wenn wir nicht zum Yoga kommen, dann kommt Yoga eben zu uns. Im Zeitalter von Youtube und Co kriegen wir das auch locker alleine hin”. Und siehe da: Yoga gehört nun zu unserem Morgensport und hält nicht nur Mama fit, sondern macht auch den Jungs Spaß.

Ob es ein Ausflug zu den Eltern ist, für den man ganz alleine in einem Sprinter (wie soll man sonst auch die Massen an Dingen mitbekommen, die man benötigt?!) 3 Stunden gen Süden fährt oder auch nur eine Stunde quer durch die Stadt zu den Urgroßeltern – alles ist mit Aufwand verbunden. Aber das schöne ist: ich lasse mich davon nicht abschrecken. Man muss einfach alles ausprobieren und wird dadurch umso routinierter.

Und um abschließend noch einmal mein Fazit zu betonen: ich komme definitiv ab und zu an meine Grenzen, ich denke auch an alte Zeiten zurück und ärgere mich manchmal darüber, dass alles 8x so lange dauert… Doch dann kommt ein Griff von kleinen Minifingerchen, die sich an dir festkrallen und Mamas Nähe einfordern und schwups: schmilzt man wieder dahin und wirft sämtliche Gedanken über Bord. Ob es ein verschmitztes Lächeln ist, die witzigen Laute, die sie nun machen, der süßliche Baby-Geruch oder diese unglaublich weiche Haut auf der eigenen – ich bin einfach so verliebt in meine Jungs, dass ich sagen muss: manchmal ist Mama sein zwar doof, aber die meiste Zeit über ist es absolut überwältigend und ich möchte es einfach NIE mehr missen.

Kennst du das? Oder hast du noch niemals darüber nachgedacht? Ich finde, man darf ruhig es mal laut sagen, wenn etwas doof ist und man kann auch ruhig mal alten Gewohnheiten hinterher trauern. Hauptsache ist: man ist ehrlich zu sich selbst.

In diesem Sinne: auf uns Mütter!

Janna mit Lasse & Levi [bs_icon name=”glyphicon glyphicon-heart”] [bs_icon name=”glyphicon glyphicon-heart”]

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