Doppelherzchen

Der einfach, ehrliche Zwillingsblog.

Kampf um den Krippenplatz – was tun, wenn man kurzfristig abgelehnt wird?

Der letzte Post liegt schon eine Weile zurück. Um genau zu sagen, ganze 3 Wochen. Ungewöhnlich für diesen Blog, denn eigentlich lasse ich wöchentlich von mir hören. Nach dem großartigen ersten Geburtstag der kleinen Doppelherzchen ging bei uns allerdings die Pechsträhne los und ich hatte jede Menge andere Dinge im Kopf, als hier einen neuen Blogpost zu platzieren. Und auch jetzt wimmelt es in meinem Kopf noch vor  Sorgen. Mittlerweile schlafe ich nachts schlecht – was nicht mehr nur an den Kids liegt, die momentan auch jede Menge Schübe und Krankheiten durchmachen.

Los ging es mit einer tropfenden Heizung auf dem Dachboden. Danach flog uns die komplette Achse vom Auto ab (Gott sei Dank nicht während der Fahrt – gar nicht auzumalen, was hätte passieren können). Die Kinder waren permanent erkältet und zur Krönung wurde uns verkündet, dass die Kita, in der ich mich (ohne Witz) vor 1,5 Jahren mit riesigem Schwangerbauch angemeldet habe, doch keine Krippenplätze für uns hat. Nun steht man plötzlich da wie Karl Arsch, hat den Briefkasten voller Rechnungen, kranke Kinder, Handwerker im Haus und muss von jetzt auf gleich ZWEI neue Krippenplätze finden…

Krippenplaetze – knapp und kostenspielig

Dicker Zwillingsbauch

Leider noch zu früh für die Krippenplatz-Anmeldung aber Musik geht immer…

Über die Tatsache, dass wir durch den Umzug nach Schleswig-Holstein zukünftig jede Menge Kita-Gebühren zahlen dürfen und nicht wie in Hamburg, die ersten 5 Stunden umsonst erhalten, habe ich mich bereits in meinem Elternzeit-Post echauffiert. Denn es tut schon weh, zu wissen, dass 5 Minuten Fußweg über etwa 800 Euro monatlich mehr bzw. weniger im Portemonnaie entscheiden. Ein Fakt, über den ich stundenlang heulen, schreien und schniefen könnte – aber den ich wohl oder übel akzeptieren muss. Und klar, davon dass die Kindergarten bzw. Krippenplatz-Suche generell sehr schwierig sein soll, habe natürlich auch ich gehört. Glauben konnte ich einige bizarre Geschichten wie „und damit sie einen besonders guten Eindruck machen, haben einige Eltern beim Krippen-Vorstellungsgepräch hübsch verpackte und frisch gebackene Dinkel-Vollkornkekse verteilt“ oder Aussagen wie: „wird schon schief gehen, haben ja schließlich wochenlang mit dem Kleinen geprobt“ allerdings nicht wirklich.

Ich dachte immer, man meldet sich früh genug an, schaut sich zwischendurch mal mit den Kindern die Räumlichkeiten an und wird dann irgendwann genommen, sobald der Berechtigungsschein vom Arbeitgeber unterschrieben auf dem Tisch liegt. Deshalb watschelte ich schon vor 1,5 Jahren mit riesigem Dickbauch zur Favoriten-Krippe in der Nachbarschaft, um uns anzumelden und nicht irgendwann in die Situation zu kommen, mit Haferflocken-Gebäck bewaffnet in meiner eigenen Schleimspur auszurutschen.

den richtigen anmeldezeitpunkt finden – geht das denn?

„Hach Frau Grammersdorf, da sind Sie aber etwas ZU früh“, hieß es damals. „Wir brauchen dann schon noch die Namen der Kinder und das Geburtsdatum, damit Sie angemeldet werden können.“ Schon damals dachte ich mir, „hmmmm, klingt eigentlich logisch, aber dennoch: von allen Seiten hört man `so früüüüüüüh wie möglich` und wenn man dann schon in der Schwangerschaft vorsorgen will, ist das auch nicht genehm.“ Nun denn, ich nahm mir damals also vor, mich, sobald die Jungs auf der Welt sind, trotz Geburtsschmerzen und Co, so früh wie möglich zum Objekt meiner Begierde zu schleppen und meine Jungs in der fußläufig 2 Minuten von uns entfernten Krippe anzumelden. Und das tat ich dann auch und wurde auf die Liste gesetzt. „Naja, so früh wie Sie dran sind… und dann gibt es hier auch noch einen Zwillingsbonus… da brauchen Sie sich keine Sorgen machen, das sieht SEHR, SEHR gut aus“ erzählte man uns. Hach, das ging runter wie warmes Öl auf meiner Mama Seele. Zumal ich – clever, wie ich bin – in der Zwischenzeit trotzdem Ausschau nach weiteren Krippen genommen hatte und feststellen musste, dass die meisten entweder aufgrund ihrer Lage nicht so ansprechend für uns waren oder aber die Betreungszeiten nicht zu meinen Arbeitszeiten passten. Denn wenn man schon zwei Krippenplätze + Mittagessen bezahlen muss, dann sollte man auch zusehen, dass genug in die Kasse kommt – oder ist das nur meine Logik?! Klar, ich könnte auch nur 4 Stunden am Tag arbeiten (und 40 Minuten hin + 40 Minuten zurück fahren, um die Effizienz noch einmal zu untermauern) aber dann bleibt nicht mehr viel Gehalt über. Manchmal frage ich mich eh, wie Frauen zurecht kommen, die noch weniger verdienen. Die müssen dann wohl zwangsläufig 3 Jahre zuhause bleiben, bis die Kinder in den Kindergarten können… Viel Kinderunfreundlicher geht es wohl nimmer.

Kein Krippenplatz – und was jetzt?

Yeah, wir DÜRFTEN, wenn wir KÖNNTEN…

Anfang Januar war es dann soweit: wir bekamen die Schreiben vom Amt, mit denen man asap zum Arbeitgeber rennen muss, um sich quittieren zu lassen, das man überhaupt einen Anspruch auf die Betreuung seiner Kinder hat. Und somit musste endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden: wieviele Stunden die Woche kann  ich denn überhaupt arbeiten? Ist es nicht besser, einen Tag frei zu haben? Hach, aber die Kohle muss ja auch stimmen… Ein elendiges Hin und Her, mit dem Resultat: 6 Stunden pro Tag müssen schon her. Was ja auch kein Problem ist, schließlich hatten wir uns für Vollzeitplätze beworben, was besagt, dass die Kinder bis 15.30 Uhr abgeholt werden müssen. Somit flitzte ich mit den Unterlagen zu meinem Arbeigeber, wo ich mit Jubel und „frohes Neues“ Wünschen empfangen wurde und direkt einen Otto für meine Schreiben bekam und war happy, dass alles so gut lief. Ja, man könnte sagen: ich bekam wieder richtig Bock auf meinen Job (den ich, by the way, echt gerne hab).

Diese Euphorie legte sich allerdings auch wieder, als ich einige Wochen später mit den Berechtigungsscheinen in unserer WAHL-Krippe stand und plötzlich nicht mehr mit „achja, die Zwillingsmama, die sich so früh angemeldet hat und für die wir ja bereits vor einem Jahr Plätze reserviert haben“ empfangen wurde, sondern eher etwas beschämt herumgegluckst wurde… „hmmm naja also: wir machen uns dann nächste Woche an die Auswahl. Aber es haben sich ja schon doch auch ganz schön viele angemeldet und hmmmm, jaaaa, ich weiss Sie waren früh, aber… vielleicht halten Sie dennoch die Augen nach anderen Einrichtungen offen, schaden kann das jedenfalls nicht. Sie hören dann von uns…“

Unsere Zwillinge lieben sich

Diese beiden Knutschkugeln voneinander trennen? NIE IM LEBEN…

WHAT???? Ernsthaft?? Nach der langen Zeit, zahlreichen Telefonaten und dem Gefühl von „es kann nichts schief gehen!“ Schon zu diesem Zeitpunkt war ich unendlich verunsichert und fühlte mich, als hätte man mir mit Anlauf in den Magen getreten. Und jetzt? Noch mal von vorne anfangen? Vielleicht doch noch mal nach Dinkelkeks-Rezepten googeln? Meinen Arbeitgeber darauf vorbereiten, dass ich noch mal ein Jahr ausfalle und mich von Luft und Liebe ernähre? Ähhhhhhhm, NOPE! Auf gar keinen Fall. Ich habe ein Recht auf Kinderbetreuung und deshalb bleibe ich am Ball. Wenn ich dafür einen Anwalt brauche. Gerne. Ich kenne zufällig einen sehr guten 😉 Meine Ellenbogen sind durch den ganzen Stress auch sehr dünn und spitz geworden – der Bizeps hingegen, dank meines 13 Kilo Sohns, trainierter als je zuvor. Es ist echt traurig und ich hätte nie gedacht, dass es soweit kommen muss. Aber man fühlt sich gerade wie in einer riesigen Schlammschlacht, um die wenigen Krippenplätze in dieser Stadt. Klar, wenn ich meine Kinder HIER nicht unterbekomme, kann ich auf Hamburg ausweichen. Super. Die Kosten bleiben natürlich die gleichen und meine Kinder haben Freunde in einer komplett anderen Hood – abgesehen davon, dass ich dann an das Auto gebunden bin und jeden Morgen freudig im Karoviertel einen Parkplatz suchen kann (was etwa einer Nadel im Heuhaufen entspricht oder mit hohen Parkgebühren verbunden ist).

An alle Krippenplätze in der Umgebung: „ihr wisst gar nicht, was ihr verpasst. Mit meinen fröhlichen und immer stets gelaunten Zwillingsjungs hättet ihr jedenfalls einen easy Job.“ Wer sie kennt, kann das definitiv bestätigen. An alle werdenden oder frisch gebackenen Muttis: „lasst euch nicht blenden: auch wenn ihr noch so früh dran seid und Eure Krippenplätze in Sicherheit wägt – vielleicht doch lieber ein paar mehr Anmeldelisten in Anspruch nehmen“. An alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: „nicht aufgeben. Wir haben ein Recht auf einen Krippenplatz. PUNKT.“

In diesem Sinne, auf bessere Zeiten und Glück im Unglück – die Hoffnung stirbt zuletzt.

Janna und ihren Doppelherzchen  

2 Discussions on
“Kampf um den Krippenplatz – was tun, wenn man kurzfristig abgelehnt wird?”
  • Oh man Janna, das hört sich ja echt doof an… Ich drücke Dir die Daumen das Du doch noch Glück hast. Und dann liest man in der Presse, das eine neue Krippe gebaut wird, es aber kein Träger gibt und somit die fast fertige Krippe erst Anfang nächstes Jahres eröffnet werden kann. Was wohl auch mit So einen Ausschreibungsverfahren zusammenhängt. So etwas macht einen wütend.
    Viele liebe Grüße Katja

    • Hahaha, das habe ich auch gehört! Verrückt oder? Wie du schon bald hier lesen wirst: wir haben Plätze! Und zwar genau dort, wo wir eigentlich schon die Absage hatten 😮 Irgendwie ging es dann plötzlich doch…. Man munkelt, man munkelt… Wie auch immer: ich bin mega happy und es fällt ein riesen Balast von mir! Tausend Liebe Grüße,
      Janna

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