Doppelherzchen

Der einfach, ehrliche Zwillingsblog.

Autofahren mit Zwillingen – Fluch oder Segen?

Kurz mit dem Auto in die Stadt fahren und durch Planten und Blomen latschen – gar kein Problem. Meist schnarchen die Kids, sobald sie im Auto sitzen. Gerade im laut brummenden Vito schläft es sich ganz famos. Klar, man sollte nicht gerade zur Rush-Hour fahren, um statt 20 Minuten 1,5 Stunden zu brauchen… aber da es momentan schon um 16Uhr dunkel wird, hat sich das eh erledigt. Bockt nicht so, im Dunkeln mit Zwillingswagen durch die City zu rennen. Aber was ist, wenn man längere Distanzen überwältigen muss, um Oma und Opa zu besuchen – quasi von Hamburg bis Meppen?! Ich kann euch die Antwort sagen: das ist ganz große Affenschei…

Von Hamburg bis Meppen

Zweimal habe ich mich getraut und bin die Strecke alleine mit den Kids gefahren. Beim ersten Mal war das auch gar kein Problem: die Jungs waren noch so klein, dass ihr Tag eh nur aus Schlafen und Essen bestand. Sie bekamen eine dicke Buddel, wurden in den Maxi Cosis ins Auto verfrachtet und 3 Stunden später, am Ziel angelangt, schliefen sie noch immer. Praktisch.
Beim zweiten Mal, sah das Ganze allerdings etwas anders aus. Die Jungs waren 5 Monate alt und hatten dementsprechend weniger Schlafbedarf. Die Hinfahrt verlief schon so semi, da ich in Bremen wegen einer Baustelle (JA: die, die dort gefühlt schon seit 10 Jahren für Verkehrschaos sorgt) 30 Minuten im Stau stand und die Jungs unruhig wurden. Und die Rückfahrt… HÖLLE, HÖLLE, HÖLLE ! Ich glaube, an diesem Tag bin ich tausend Tode gestorben und habe mir geschworen, mich nie wieder alleine mit Zwillingen in ein Auto zu setzen.

Problem, es war Juni, 27 Grad heiß und ein Donnerstag. Naja, erstmal ja nichts Ungewöhnliches im Sommer… was ich leider nicht wusste, bzw. vergessen hatte: es war nicht irgendein Donnerstag, sondern Fronleichnam. Kann man ja schon mal vergessen, wenn man nicht aus Nordrhein Westfalen kommt – schließlich ist es für uns ein ganz normaler Arbeitstag. Für besagte Nachbarn aus dem Westen der Bundesrepublik aber ein Feiertag und somit ein super Start in ein verlängertes Wochenende, das man bei dem entsprechenden Traumwetter, gerne an der See verbringt. Was soviel bedeutet wie: es war rappelvoll auf der Autobahn und aus 3 Stunden Autofahrt wurden 360 Minuten des Grauens.

Eine Fahrt des Grauens 

Schon auf den Landstraßen war es voll, aber das ist nunmal durch die vielen LKWs in der Woche immer so. NOCH viel mir nicht auf, dass mehr Verkehr unterwegs war als sonst (denn dann wäre ich wohl umgedreht – Termin am Freitag hin oder her). Vielleicht merkte der Chiller bereits, was uns blühen würde, denn er war extrem nörgelig und wollte einfach nicht schlafen, obwohl wir zu einer Zeit unterwegs waren, in der die Jungs immer das erste Nickerchen am Vormittag machten. Das Ende vom Lied: wir waren gerade auf die Autobahn gefahren, als sich der erste Stau ankündigte und es nicht mehr vor und zurück ging. Mit zwei Kindern im Wagen, die in einer Tour schrien, einer Mama, deren Blase zu platzen drohte und einem Papa, der uns alle am Telefon zu beruhigen versuchte. Vergeblich. Das einzige Glück in dieser Situation war, dass der Rücksitz im Vito begehbar ist und ich einfach nach hinten flitzen und z.B. einem schreienden Zappelzwilling den Schnuller wieder in den Mund schieben, oder einem ungechillten Chiller kurz die Flasche geben konnte. Dass das natürlich sau gefährlich ist, wenn der Verkehr stop und go fließt und nicht komplett steht, brauche ich an dieser Stelle wohl kaum erwähnen. Aber da sich die Kinder beim Schreien aus voller Kehle ständig verschluckten und nach Luft rangen, war mir das Risiko tatsächlich ziemlich egal. Warnblinkanlage an und zack zu meinen Kindern. Irgendwann schliefen sie vor Erschöpfung ein und ich war kurz davor, das gleiche zu tun. Allerdings musste ich, wie schon erwähnt, zu nötig auf die Toilette. Nächstes Problem.

Mein Glück: viel Platz im Mercedes Vito

Ein holländisches Paar mit Dackel auf einer Raststätte 40 Minuten später, war schließlich meine Rettung. Sie erklärten sich bereit, kurz auf die Kids und das Auto mit glühender Klimaanlage aufzupassen, das ich bei 27 Grad natürlich nicht stehen lassen und schon gar nicht abschließen wollte. So konnte Mama sich kurz erleichtern und anschließend die Jungs im Auto füttern. 20 Minuten später ging es weiter und was soll ich sagen: die Verhältnisse waren nicht besser und die Jungs nun gestärkt für die nächste Tour de Graus… Man kann sich einfach nicht vorstellen, wie sehr die Machtlosigkeit und der gleichzeitige Herzschmerz auf die Psyche gehen. Ich war jedenfalls völlig am Ende und wahnsinnig erleichtert, als wir irgendwann ENDLICH wieder vor unserem kleinen, spießigen Schenefelder Reihenhaus standen und noch alle am Leben waren.

Nie wieder ohne Beifahrer

Gestern war es wieder so weit: es ging nach Meppen zu Oma und Opa. ABER: nicht ohne Beifahrer! Ich habe mich einfach nicht getraut, noch mal das Risiko auf eine Horrorfahrt einzugehen – auch wenn wir dem Tipp „abends zur Schlafenszeit zu fahren“ folgten. Gott sei Dank bin ich ein Feigling (ich bin dem Versprechen an mich selbst, nie wieder allein zu fahren, treu geblieben), denn auch diese Fahrt verlief leider ganz und gar nicht gut. Der Deal: mein Göttergatte fuhr uns bis hinter Bremen, wo mein Vater auf uns wartete und den Rest der Strecke fuhr. Distanz-Teilung quasi. Blöd nur, dass die Jungs ab Bremen keine Böcke mehr hatten und die Fahrt ziemlich turbulent wurde (mein Vater hat Glück: er kann zur Not die Hörgeräte ausschalten). Ich saß also eingequetscht auf der Rückbank und versuchte mit aller Kraft meine Söhne zu beruhigen, die 10 Minuten vor dem Haus meiner Eltern endlich eingeschlafen waren. Blöd nur, dass sie beim Versuch sie umzubetten, wieder hellwach wurden. Naja, wir sind hier, es ist alles gut und das bisschen Geheule wieder vergessen. Wäre ich allerdings wieder alleine gefahren…

Nie mehr ohne Beifahrer

Hoffentlich wird die Rückfahrt angenehmer. Falls jemand Tipps und Tricks hat, wie man eine solche Fahrt so entspannt wie möglich macht: immer her damit. Ich bin gespannt, wie ihr das Thema „Auto fahren mit Kids“ angeht und ob es DIE Lösung gibt. Wir genießen nun erstmal die Zeit hier und machen es uns mit Oma und Opa gemütlich. Bis Sonntag ist es ja noch ein bisschen hin und vielleicht wird auf dem Rückweg alles viel besser.

Drückt mir die Daumen. Auf viele angenehme Autofahrten und staufreie Autobahnen,

Janna und ihre Doppelherzchen  

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2 Discussions on
“Autofahren mit Zwillingen – Fluch oder Segen?”
  • Hallo Janna,
    😄😄😄
    Kopf hoch es wird besser. Ich fahre regelmäßig 500 km allein zu meinem Eltern und mal habe ich Glück und es dauert 6h oder bei nem kleinen Horror Tripp auch mal 8h.
    Es klingt jetzt vielleicht grausam aber ich habe meinen Großen oft schreien lassen, nachdem ich die Grundbedürfnisse gecheckt habe Windel, Essen …
    Der Grosse hasst die langen Fahrten immer noch und macht mir regelmäßig die Hölle heiß. Man hört es am schreien ob es was ernstes ist oder nur „ich treibe meine Mama in den Wahnsinn“.
    Achja um so öfter du anhältst umso öfter schreien Sie, da sie deine Unsicherheit spühren.
    2 Tipps habe ich:
    Schnuller anbinden, dann können Sie ihn alleine zurück angeln
    Pipipause nicht auf einer Raststätte sondern am besten kleiner Parkplatz ohne Toilette – und Auto zu und ab ins grüne (geht super schnell und wenn sie schlummern wachen Sie auch nicht auf)

    Alles gute euch.

    • Hui, du bist ja echt cool. Hut ab! 6-8 Stunden ist schon ne Ansage mit zwei kleinen Pupsern. Ja, das mit der Unsicherheit hab ich auch feststellen können. Ist ja irgendwie immer so, dass sie spüren, wenn Mama nervös oder genervt ist, aber… Mich stört einfach die Tatsache, der Situation so machtlos ausgeliefert zu sein – gerade im Stau. Und da bei Bremen immer irgendwelche fu*** Baustellen sind, ist das Risiko recht hoch, dass man festsitzt. Aber ich denke auch, dass ich mich wohl nicht immer bringen lassen kann. Wenn ich die Horrorfahrt nächstes verdaut habe, ziehe ich mir vielleicht wieder die Ärmel hoch und setze mich todesmutig hinters Steuer 😉 Vielen Dank für die Tipps, ich werde mich daran erinnern 😉 Alles Liebe, Janna

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