Doppelherzchen

Der einfach, ehrliche Zwillingsblog.

Stillen in der Öffentlichkeit – wo kann ich im Tierpark mein Baby füttern?

Juhuuuh, die ersten Sonnenstrahlen lassen sich in Hamburg wieder blicken! Das muss man nach 2 Wochen Schietwetter definitiv ausnutzen – zumal mein lieber Göttergatte seine letzte Woche Urlaub mit uns genießt. Also nichts wie die Jungs eingepackt und ab in den Tierpark zum Family-Tag. Wer aus Hamburg und Umgebung kommt, sollte sich unbedingt mal den Wildpark Schwarze Berge anschauen. Es ist wirklich super dort. Man bekommt für „wenig Geld“ viel zu sehen, kann ewig weit latschen und auch mal schnaufen, wenn man mit Zwillingswagen die Hügel auf und ab schiebt. Darum ging es uns ja auch: einfach mal rauskommen, was anderes sehen und das Wetter genießen. Und sich insgeheim auch schon mal ein Bild von dem Park machen, denn der ist vor allem für Kinder eine absolute Attraktion – für unsere zwar noch nicht so wirklich, aber was nicht ist, kann ja noch werden ;-).

Obwohl… Viel Sauerstoff, ordentlich Geschaukel im Kinderwagen und zahlreiche Stimmen und Geräusche um einen herum – für die Zwillinge war der Ausflug auch ohne „Tiere beobachten und füttern“ großartig. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem sie Hunger bekamen (was nach einer halben Stunde Fahrt und 2 Stunden Gelatsche ja durchaus passieren kann). Aber: was nun? Zwei Flaschen rausholen und die Gefahr einer Busenexlosion in Kauf nehmen oder doch eher einem Kind die Flasche servieren und das andere schnappen, um es an die Brust zu legen? Letzteres ist definitiv die Mama-freundlichere Lösung, denn so eine platzende Brust ist nicht nur eine riesige Sauerei, sondern tut sicher auch weh… aber wo darf man einen möglichen Nippelblitzer riskieren, ohne dass man die Menschen um einen herum komplett verstört und man sich selbst in Grund und Boden schämt?

Stillen unter menschen – darf man das denn?

Schon irgendwie komisch… da rennt man durch einen Wildpark, sieht zu, wie der Elch seinen riesen Pimmel baumeln lässt, der Bär sich den Intimbereich leckt und die süßen Hauskaninchen fröhlich vor sich hin rammeln und fragt sich: „Warum habe ich eigentlich so ein großes Problem damit meinem Sohn außerhalb der eigenen vier Wände die Brust zu geben?“ Und NATÜRLICH liegt die Antwort auf der Hand: Mensch ist Mensch und absolut nicht an nackte Haut gewöhnt. Woher auch? Wir kennen keine TV-Formate in denen ein paar Bekloppte nackend über eine Insel hopsen, um die wahre Liebe zu finden… wir würden nie hinschauen, wenn eine Michaela Schäfer den blanken Busen in die Kamera hält und auch sonst sind intime Themen natürlich ein absolutes Tabu… NICHT – zumindest nicht für die Menschen, die einen TV besitzen und ab und zu mal in eine Zeitung gucken! Und doch finden es viele einfach unverschämt, wenn Frau in der Öffentlichkeit stillt – denn es ist ja nunmal ein intimes Geschlechtsteil, das dabei entblößt werden könnte (und was man eben sonst nie sieht).

Muss es wirklich der Stillraum sein?

Mal ehrlich… Ich bin definitiv nicht die Person, die auf FKK steht oder unglaublich stolz auf meine kleinen Mini-Tittchen wäre… Aber nun, da es um das Wohl meiner Kinder geht (und naja auch um meins, wenn wir schon von explodierenden Brüsten reden) bin ich mir nicht zu schade, auch mal einen eventuellen Sekunden-Blick auf Brust zu gewähren, wenn es nicht anders geht. Im Gegenteil: ich schäme mich nicht, sondern habe eher ein schlechtes Gewissen, weil ich andere stören könnte. Und genau deshalb verkrümelt man sich in die letzte Ecke eines Cafés, um nicht unangenehm aufzufallen. Wir hatten Glück, weil es im Wildpark sehr leer war und es auch zur Mittagszeit noch keinen so großen Andrang in der Kaffeestube gab …. auch bietet der Park sehr Babyfreundliche Wickelräume mit Stillmöglichkeiten – aber mal ehrlich: da hört es dann für mich auch auf. Ich möchte nicht in einem Raum neben dem Klo sitzen und den Duft voller Windeln inhalieren, während ich den Hunger meines Kindes besiege. Dann doch lieber den letzten beheizten Winkel eines Cafés oder gar doch lieber Theorie „2x Fläschchen für die beiden hungrigen Jungs“. Die kann man auch mal auf halbem Weg zwischen den Bären und den Hängebauchschweinen reichen, ohne dass sich jemand beschwert oder verschämt wegschaut. Stillen oder Flasche geben?

Fazit: man macht sich mehr Gedanken über die anderen und darüber, was die wohl denken, als einfach nur an das eigene Wohl und an das seiner Kinder zu denken. Und das ist doch eigentlich total schade, oder? Wir leben in einer so freizügigen Gesellschaft… da sollte es doch wohl nicht schlimm sein, auch mal ein Kind in der Öffentlichkeit zu stillen. Zumal es die Umstandsmode von heute eigentlich extrem einfach macht, alles so zu verschleiern, dass keiner mit nackten Tatsachen konfrontiert wird. Deshalb habe ich nun für mich entschieden: ich stille meine Kleinen auch außerhalb der vier Wände, achte allerdings darauf, dass ich nicht gerade inmitten einer Menschenmenge den Still-BH öffne, sondern immer einen möglichen Rückzugsort suche. Wer mich dennoch mit einem schiefen Blick ansieht, bekommt ne Grammy-Miene zurück und kann sich schämen gehen. Ich schäme mich jedenfalls nicht. Es muss ja nicht hingeguckt werden.

Nun bin ich gespannt auf deine Meinung und deine Erfahrungen zu dem Thema. Was machst du, wenn dein Kind oder deine Kinder zwischendurch Hunger haben und welche Variante ist für dich am angenehmsten? Ich freue mich über deinen Kommentar und wünsche entspannte Ausflüge und Spaziergänge bei dem großartigen Frühlingswetter.

Janna mit Lasse & Levi  

6 Discussions on
“Stillen in der Öffentlichkeit – wo kann ich im Tierpark mein Baby füttern?”
  • Beim Ersten oder bei den ersten Beiden hat man noch zu viel Zeit sich darüber Gedanken zu machen ;). Ich stille meinen kleinen fast überall, letztens sogar in der U-Bahn da bei ihm ein 15 Minuten Fenster ausreicht und ich danach keine Zeit und Ruhe mehr hatte. Nummer Eins forderte meine ganze Aufmerksamkeit. Wer sich stört muss ja nicht hinschauen. Weiteres spannendes Thema, wickeln in der Öffentlichkeit wenn kein Wickeltisch weit und breit in Sicht ist.

    • Wow, sogar in der Bahn – Respekt! Naja, Zeit bleibt zwar gar nicht so viel bei zwei kleinen Pupsern, aber klar: ist alles neu und ungewohnt und macht sich wahrscheinlich viel zu viele Gedanken! Ohjaaaaa… wickeln ist auch spannend! In die Situation bin ich zum Glück noch nicht gekommen ?

  • Suuuuuper geschrieben! Ich musste soo lachen. Und seh es genau wie Du. Ich habe versucht diskret zu sein und hatte z.b. manchmal mein Halstuch noch so halb über gelegt,aber im Grunde gibts ja wirklich nichts zu sehen und ich hab mir irgendwann auch gesagt,dass ich jetzt nur nur zurück gucke,wenn jemand doof schaut. Stillen sollte einfach selbstverständlich sein und auch ich wollte mich im Ikea nicht neben den fensterlosen miefigen Wickeltisch setzen.

    • Vielen lieben Dank Isa! Wer will das schon? Verstehe echt nicht, wozu es diese komischen Stillräume in Kombi mit Wickelstation überhaupt gibt?! ?

  • Liebe Janna,
    auch ich habe mir anfangs viele Gedanken gemacht. Weil ich die ersten Wochen mit Stillhütchen stillen musste, habe ich mich sogar richtig geschämt, was wohl auch daher kam, dass mich manchmal Leute, in deren Beisein ich gestillt habe, darauf angesprochen haben, wofür denn das Plastikding gut sei. Sehr unangenehm!
    Keine Ahnung, wann bei mir der Schalter umgelegt wurde, aber mittlerweile (mein Kleiner ist jetzt fast acht Monate alt) stille ich überall. Ich achte genau wie du darauf, dass man möglichst wenig sieht und ich nicht gerade mitten im Café sitze, sondern einen Randplatz habe, aber ansonsten bin ich da jetzt sehr unkompliziert. Kann ich aber auch, weil Mäusi inzwischen nach ca. fünf Minuten satt ist und das Schauspiel vorüber ist, bevor es viele potentielle Zuschauer bemerkt haben.
    Ich denke, man wird zum einen lockerer, zum anderen hat man vielleicht auch nach ein paar Monaten eine bessere Technik, die es einem schneller erlaubt, ein-/auszupacken und anzulegen und nicht zuletzt sieht man manchmal eben auch ein, dass man jetzt leider keine andere Wahl hat (brüllendes Kind erst noch zehn Minuten zum Auto zu transportieren, um dort abgeschottet stillen zu können, sehe ich einfach nicht mehr ein).
    Zu guter letzt noch danke für deine immer super lesenswerten Beiträge!
    Liebe Grüße
    Sanne

    • Oh davon habe ich auch schon gehört – von den Stillhütchen meine ich. Eine Freundin benutzt die auch. Das glaube ich, dass die Teile es noch mal eine Nummer komplizierter machen, denn einen Nippelblitzer lässt sich wohl kaum vermeiden, wenn man sie überstülpen muss, oder? Umso besser, dass du nun so super damit umgehst und auf die Meinung der anderen schei… ! Finde ich super! Im Auto stillen ist definitiv nicht die Lösung und auch nicht gerade bequem – es sei denn man fährt einen Van 😉 Ich habe zu danken! Freue mich sehr über dein Kommentar. Immer wieder gerne 🙂 Alles Liebe, Janna

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