Doppelherzchen

Der einfach, ehrliche Zwillingsblog.

Heulkrampf – Wenn die Hormone durchdrehen

Es soll ja Menschen geben, die schon bei der Merci-Werbung Pipi in den Augen haben und spätestens beim Happy End des Liebesromans Rotz und Wasser heulen. Zu dieser Sorte Mensch gehöre ich eigentlich nicht – bis jetzt.

Im Gegenteil, ich hasse alles, was übertrieben schnulzig ist und bekomme Hautausschlag, wenn ich beim Zippen durch das TV-Programm plötzlich auf Sendungen wie „Nur die Liebe zählt“ (gibt’s die überhaupt noch?) oder ähnlichen Quatsch stoße. Umso überraschender war es für mich, zu entdecken, dass seit meiner Schwangerschaft die Hormone gerne mal durchdrehen. Von jetzt auf gleich fange ich an zu heulen – und das in den absolut unpassendsten Situationen und Umgebungen.

Zum ersten Mal ist es auf der Hochzeit einer Freundin passiert – nun gut, könnte man meinen, das ist ja auch ein echter Grund und wenn man nicht gerade gefühlskalt ist, darf man sich auf Hochzeiten schon mal eine Träne verdrücken. Das stimmt. Aber in meinem Fall sprechen wir nicht von Tränen, sondern Bächen. Es schoss in einer Tour aus mir heraus. Schon als die Braut von ihrem Vater in einem Boot zum Steg gefahren wurde, auf dem der Bräutigam mit dem einjährigen Sohn wartete, waren bei mir alle Dämme gebrochen. Ich heulte wie ein Schloßhund und konnte mich gar nicht mehr beherrschen. Sämtliche Gäste drehten sich schon in meine Richtung und tuschelten und mein armer Mann wäre am liebsten im Boden versunken. Peinlich! Ich hielt es für besser, ihn nicht weiterhin zu blamieren und mich auf die Örtlichkeiten zu verziehen. Doch selbst auf dem Dixi-Klo schüttelte es meinen Körper noch und weitere Bäche flossen. Und das Schlimmste ist: ich kann bis heute nicht erklären, was ich so schön oder traurig oder weiß der Geier fand, dass es zu diesen Ausschreitungen gekommen ist. Ich behaupte felsenfest: es waren die Hormone, die mich zum Hochzeits-Honk gemacht haben.

Heulflash mitten im Supermarkt

Oder wie ließe es sich sonst erklären, dass ich mitten im Supermarkt einen Wut-und Heulanfall bekommen habe, weil die gelben Paprika ausverkauft waren? Gott sei Dank bin ich in dieser Situation alleine gewesen und musste nicht wieder meinen unschuldigen Mann peinlich berühren. Warum ausgerechnet gelbe Paprika so wichtig waren? Na, weil ich zum EM-Spiel einen gesunden Naschteller in Deutschland-Farben zubereiten wollte. Schließlich hatten wir abgemacht mit ein paar Leuten, das Spiel bei uns zu schauen und da gehört es sich, groß aufzufahren – so der Plan. Aber wie nur ohne gelbe Paprika? Ich hätte mir sagen können „Naja Pech, dann switche ich eben auf Obst und nehme Banane, Apfel und Brombeeren“ oder „Ach egal, Hauptsache es schmeckt und wir haben‚ nen schönen Abend“ – Genau, hätte ich. Stattdessen fragte ich einen Verkäufer unter Tränen, ob es wirklich gar keine gelben Paprika mehr gebe und ob er nicht noch mal im Lager gucken könnte. Der Typ muss wohl auch gedacht haben, „die spinnt doch die Alte“ und statt im Lager zu verschwinden sagte er trocken „wenn da nichts mehr ist, dann haben wir nichts mehr“. Das Ende vom Lied: statt auf gelbe Paprika zu verzichten, rannte Muddi wie eine Irre aus dem Laden und joggte mit Dickbauch zum nächsten Supermarkt, der eine gefühlte Ewigkeit entfernt ist. Es gab also an diesem Abend einen Teller in Deutschland Farben, allerdings hatte dieser schon einige Tränen, Schweißperlen und entsetzte Blicke auf dem Buckel. Danke Hormone – manchmal macht ihr uns Schwangeren zu Irren!

Ich wünsche dir wenig Hormonchaos und eine entspannte Schwangerschaft,

Deine Janna  

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